Unsere Reise nach Süd-Ost-Asien
Unsere Erlebnisse, Eindrücke und Empfindungen auf einem für uns noch geheimnisvollen Kontinent

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Montag, 13. Dezember 2010

Fotos aus Bangkok
















Donnerstag, 9. Dezember 2010

Abschied von Nepal

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Günter:
Wir sind froh, den Abstecher nach Nepal gemacht zu haben, obwohl dieses Land zuerst gar nicht auf unserer Liste stand. Ich wollte aber in der Zeit, in der wir in Asien sind, auf jeden Fall einmal das Dach der Welt, den Mount Everest sehen. Und das ist uns gelungen. Wie schwer diese Trecking Tour auch war, es wird für Katharina und mich ein unvergessliches Lebenserlebnis bleiben, das wir beide gemeinsam angegangen und geschafft haben.
Wir haben die Berge und die Wege darin mit internationalen Touristen, mit Maultieren, Ochsen und Yaks geteilt. Wer einmal diese Berge gesehen hat, weiß was Demut bedeutet.
Die Menschen, die wir auf dieser Tour getroffen haben, waren allesamt super.
Einmal abgesehen von den unnötigen Querelen um das Schulprojekt und dem einen oder anderen der uns das Geld aus der Tasche ziehen wollte, sind die Nepali aufgeschlossene und freundliche Menschen, die immer ein Ohr für uns hatten, die uns in unbekannten Bereichen geholfen haben und mit denen wir gerne die letzten Wochen zusammengelebt haben. Wir haben viele Menschen kennen gelernt und fast überall die Wärme gespürt, in diesem Land willkommen zu sein.
Wir haben lange Spaziergänge im Staub gemacht, sind mit Rikscha, Taxi und Bus! gefahren.
Was uns Nepal an Sehenswürdigkeiten zu zeigen hatte, war in der Zeit in der wir dort waren gar nicht zu schaffen. Es gibt in diesem Land tausende von Tempeln der Hindus, der Buddhisten und einem Mix aus beiden. Als sich die Hindus von den Buddhisten zu sehr eingeengt fühlten, haben sie einfach Buddha zu einer Inkarnation eines Hinduistischen Gottes erklärt und damit gehörte er zum Hinduismus.
Wir haben im Kathmandu Tal die wichtigen heiligen Stätten gesehen. Den Singha Durbar Square in Kathmandu, das Narayanti Museum im alten Königspalast, die großen Monesteries (Klöster) von Gokarna, Basantapur, Kapan, Bode und Changunarayan, den Stupa von Bodenath hatten wir täglich vor Augen, da wir im Kloster Shechen gewohnt haben, Pashupatinash sind die heiligen Tempel der Hindus und ihre Verbrennungsanlage, die ehemalige Hauptstadt von Nepal, Patan mit dem Durbar Square.
Wir haben einige Tage im Touristenzentrum Thamel gewohnt, wo sich die Welt trifft, wir sind durch die Straßenmärkte von Kathmandus Altstadt Asan geschlendert, wir waren im Naturschutzreservat Chitwan und haben von Pokhara aus die Annapurna Region gesehen, ebenfalls ein Dach der Welt, wenn auch nicht so hoch wie der Everest.
Die letzten Tage in Kathmandu waren sehr kalt (13 Grad), daher wird es Zeit für uns weiter zu ziehen, in wärmere Länder
Es war eine schöne Zeit.
Auf Wiedersehen Nepal.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Schule in Nepal

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Katharina:
Manche Ereignisse lassen sich besser aus einer zeitlichen Entfernung betrachten, unsere Zeit in der Schule in Kathmandu ist ein solches Ereignis. Bis heute gelingt es mir nicht, dass Erlebte einzuordnen und zu fassen, zu vieles ist mir fremd, kann ich nicht deuten.
Nun beginnen wir einfach am Anfang.
Von Deutschland aus haben wir uns Gedanken gemacht, auf welche Weise wir mit den Menschen der jeweiligen Länder wohl in Kontakt kommen könnten. Da unsere Reiseveranstalter Dendi und Susanne Sherpa von „Nepal plus“ in Kathmandu ein Schulprojekt unterstützen, erschien uns die Mithilfe in einem Schulprojekt als gute Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Wir hatten die Idee Unterrichts- und Baubegleitend tätig zu sein. Dies wurde uns von unseren Reiseveranstaltern auch zugesagt.
In Nepal haben wir dann durch Gespräche mit Nepali erfahren, dass viele Kinder zuhause in ihrem jeweiligen Dialekt sprechen. Erst in der Schule lernen sie Nepali, die Amtssprache und die Sprache, mit der sie sich in allen Landesteilen Nepals verständigen können. Erst in der fünften Klasse lernen sie Englisch. Dies gilt für die staatlichen Schulen. Da viele Menschen dieses staatliche System nicht für gut halten, gibt es sehr viele Privatschulen. Diese werden häufig vom Ausland unterstützt. Da die meisten Menschen hier sehr arm sind, sich aber der Wichtigkeit der Schulbildung für ihre Kinder bewusst sind, versuchen sie ihre Kinder auf eine solche Privatschule zu geben, haben aber zeitweise das Geld nicht, um diese Schule zu zahlen. So sind Privatschulen immer auf der Suche nach Geld von außen. Ein großer Unterschied der Privatschulen zu den Staatsschulen ist, dass diese von Beginn an Englisch unterrichten.
Dies stellte ich mir besonders interessant vor, da unsere „Förderschule Lernen“ in Rheinland Pfalz Englisch als Pflichtfach einführen will, wobei hier das Deutsche meiner Meinung nach oft schon als erste Fremdsprache angesehen werden kann.
Soweit zur Ausgangssituation.
Es gab mehrere Kontaktaufnahmen, schon in den Schulferien hatten wir uns das Gebäude mit Dendi, Susanne, Sonam und Karma angeschaut und mögliche Baumaßnahmen besprochen. Nach Schulbeginn dauerte es dann eine Woche bis geregelter Unterricht lief. Viele Schüler waren noch nicht aus dem Umland um Kathmandu zurück. Es gab noch ein Festival in der Mitte der ersten Woche und so sparte man sich die Fahrkarte zur Schule für diese Zeit.
Unser erster Tag in der Schule:
9:30 (ist das nicht ein Traum liebe Kollegen?) Aufstellung auf dem Schulhof vor den Flaggen. Der Lehrkörper steht vorne, die Studenten stehen nach Klassen geordnet ihm gegenüber. Die jüngste Klasse besteht aus Studenten von etwa drei Jahren. Die Ältesten sind in der achten Klasse und ca. 14 Jahre alt. Die Arme werden ausgestreckt nach vorne um den korrekten Abstand zum Vordermann zu haben. Vom Lehrkörper wird ein Kommando gegeben, es folgt ein Gebet/ Gedicht von allen gemeinsam gesprochen. Dann tritt ein älterer Schüler nach vorne und gibt mit einer Trommel einen Rhythmus vor, nach dem die Studenten gymnastische Bewegungen machen. Anschließend ruft die Konrektorin einzelne Schüler (das Wort für Schüler habe ich nie gehört, es waren immer „students“) nach vorne. Diese stellen der Studentengemeinschaft eine Aufgabe. Wenn sie von einem Student gelöst wird, klatschen alle. Dann wird ein Marschrhythmus vorgegeben und die Klassen marschieren alle in Reih und Glied in ihre Klassenräume.
9:45 Unterrichtsbeginn. (Unterrichtsende 16:00) Es stellt sich heraus, dass es für uns zunächst keine Möglichkeit gibt etwas zu bauen, da keine Materialien vorhanden sind. Man bietet uns an, einen Tag beim Unterricht zuzuschauen und danach dann selber zu unterrichten. Da wir beide sehr neugierig auf die Schule sind, wollen wir uns zunächst einmal den Unterricht anschauen.
Günter und ich teilen uns auf und schauen in verschiedene Klassen / Unterricht hinein. Ich beginne in der Mittelstufe. Außer einer Grammatikstunde Englisch in der besprochen wird, was in die Klammern einzusetzen ist, gelingt es mir nicht an einem Unterricht teilzunehmen. Die Lehrer scheinen mit dem Vorschlag ihres Prinzipals nicht einverstanden zu sein. Wenn ich in einer Klasse bin, taucht einfach kein Lehrer auf. Die Schüler sind sehr angenehm, äußerst interessiert und ab Klasse fünf auch gut in der Lage mit uns auf Englisch zu kommunizieren.
Da die Klassenräume sehr offen sind, kann man hören, was in Nachbarklassen passiert. Der Umgang der Lehrer mit den Schülern erscheint mir im Vergleich mit meinen Erfahrungen als Lehrerin als sehr distanziert, in Richtung militärisch. Die Schüler springen auf, wenn ein Lehrer den Raum betritt, es gibt ein gemeinsames „good morning Sir.“ Wenn ihnen gesagt wird setzen, heißt es „thank you Sir“. Die Schuluniformen unterstreichen diesen Eindruck.
Die Studenten der älteren Klassen sind zumeist in der Lage offen, freundlich und interessiert auf uns zuzugehen. Ich habe nicht den Eindruck, dass die distanzierte Umgangsform für die jungen Menschen ein Problem darstellt. Für uns ist es sehr ungewöhnlich, vor allem da auch Knüffe, Schläge und Anschreien hier noch probate Erziehungsmittel sind. Dass dies auch für den privaten Bereich in Nepal der Fall ist, wurde uns schon vorher von Susanne erzählt.
Meine Schwierigkeiten fangen da an, wo ich dreijährige auf Stühlen sitzen sehe. Höre, wie sie den gesamten Vormittag standardisierte Sprüche aufsagen und ansonsten ruhig auf den Stühlen sitzen müssen. Mit drei Jahren beginnt hier der Schulbetrieb. Eine volle Hose ist eine Katastrophe und führt zu schlimmen Szenen. Die ersten drei Jahre sind die Kinder in der nursery-school. Der Unterricht ist in diesen ritualisierten Phasen immer auf Englisch. Da die Studenten von Anfang an sowohl Nepali, als auch Englisch lernen, lernen sie auch zwei völlig verschiedene Schriftarten. Diese kleinen Kinder schreiben in Druckschrift ganze Sätze auf Englisch ab, immer wieder, stundenlang. Ungewöhnlich finden wir auch, dass sie beim erlesen zunächst laut buchstabieren, bevor sie die Buchstaben zusammenziehen. Nachdem wir das bei den Kleinen erlebt haben, ist uns bei einigen erwachsenen Nepali aufgefallen, dass sie beim Schreiben englischer Wörter diese vorher buchstabieren.
Diese sehr verschulte Art des Kindergartens hatten wir in etwas abgeschwächter Form schon in Indonesien/Flores kennen gelernt. Auch hier tauchten in unseren Köpfen große Fragezeichen auf. Vor allem weil die engagierte Erzieherin Elke aus Hamburg hier Fortbildungen im Umgang mit kleinen Kindern gab.
Die Länder die wir bis jetzt kennen gelernt haben, beginnen sehr früh (ab drei Jahre) mit dem Unterricht. Lesen, Schreiben, Rechnen und Englisch. Die jungen Menschen mit denen wir gesprochen haben sind mit ihren Ausbildungen jedoch nicht früher fertig als unsere Schüler in Deutschland.
Bilder: Abmessung der Entfernung zum Vordermann; Gebet / Gedicht; Studenten vor den Flaggen; Vierjährige beim Unterricht; Vierjährige beim Schreiben; Klasse 7 / 8 bei der Arbeit; Fröhliche Schulkinder in Nepal; Klasse 3; „Fotos, please!“;












Sonntag, 5. Dezember 2010

Chitwan und Pokhara

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Günter:
Kathmandu ist eine laute uns schmutzige Stadt, aufregend, spannend, mit immer neuen Eindrücken und sehr anstrengend.
Daher haben wir uns entschlossen, uns für einige Tage abzuseilen. Katharina hatte gelesen, dass eine Reise in die Lowlands (Tiefebene) ein ganz anderes Nepal zu bieten hat. Das wollten wir uns einmal ansehen. Also ab ins nächste Reisebüro, dort sind die Fahrkarten für die Busse in alle Richtungen Nepals zu kaufen. Pokhara war ebenfalls interessant für uns, von dort hat man einen Ausblick auf die Annapurna Region, einen Teil des Himalaja, in dem ebenfalls beeindruckende Berge bis 8000m Höhe zu sehen sind. In den Lowlands wollten wir den Nationalpark Chitwan (Chit=Herz, wan=Urwald) besuchen. Wir waren dann doch überrascht, dass ein Paket für 3 Tage Nationalpark, all inklusive für 70$ (wir hatten die Info aus dem Internet ab 250$ aufwärts) zu bekommen war. Also buchten wir dieses Paket mit den Bustickets Kathmandu-Chitwan-Pokhara-Kathmandu für zusätzliche 22€. Alles in allem ein guter Preis. Für uns kamen dann noch 4 Übernachtungen mit Frühstück in Pokhara (60$) dazu.
Am Freitagmorgen ging es los. Der Bus quälte sich langsam aus dem Kathmandu Tal heraus, in immer abenteuerlicheren Überholmanövern an anderen Bussen und LKWs vorbei. Wenn bei diesen Manövern Gegenverkehr kommt, bleibt die Fahrer einfach stehen und sortiert sich wieder ein. Na ja, hier ist das bei den Geschwindigkeiten (20 bis 30km/h) möglich.
Was uns sofort auffällt, dem Staub können wir hier erst recht nicht entkommen. Außerhalb des Kathmandu Tales liegt ein Steinbruch neben dem anderen an den Flüssen. Hier wird Gestein gesprengt, gebrochen, gesägt und gemahlen. Der dabei entstehende Staub ist so dicht, dass alle Pflanzen und Bäume weiß sind vor Staub. Und dennoch leben hier überall an den Straßen Menschen, auch Landwirtschaft gibt es viel, die Ernten sehen übrigens auch grau in grau aus, egal was wir sehen.
Nach einer Fahrt von etwas 4 Stunden sind die Berge plötzlich fort und das Bild ändert sich auf wenigen Kilometern. Wir sind in der Tiefebene angekommen, hier ist die Landschaft wieder grün. Auf den Äckern wächst Getreide und Gemüse und kann mehrmals im Jahr geerntet werden. Überall am Straßenrand sind Händler, die ihre Produkte verkaufen. Mandarinen gibt es hier ohne Ende zu kaufen, genauso wie anderes Obst. Hier bekommen wir den Eindruck, dass in Nepal alles im Überfluss vorhanden ist.
Zum Nationalpark möchte ich nur kurz etwas sagen. Wir hatten ein super Hotel, das Essen war gut und unser Guide hatte viel Spaß daran, uns seinen Park zu zeigen. Schon am ersten Tag hatten wir das Glück neben einer Elefantenfarm auf ein Rhinozeros zu stoßen und dieses beim Äsen zu beobachten.
Am zweiten Tag ging es schon morgens um 6 Uhr los zur Kanutour, Trecking durch das Grasland und nachmittags zum Elefantenritt durch den Dschungel. Hier sind wir auf ein Rhinozeros mit einem Jungtier gestoßen. Ich glaube, das Tier hatte große Angst vor uns, ein Rhino gegen 16 Elefanten, nicht gerade fair. Die angekündigten Krokodile und Tiger blieben aus, wir hatten damit aber auch nicht gerechnet. Den dritten Tag haben wir mit einem Morgenspaziergang und der Beobachtung von Vögeln begonnen, bevor es am Mittag weiterging nach Pokhara. Die Zeit in Chitwan war schön, wir haben die Ruhe und die Sauberkeit sehr genossen und uns dort wohl gefühlt.
Nach einer 4 Stunden Fahrt kamen wir in Pokhara an. Es war schwierig hier ein Hotel nach Wahl zu bekommen. Jeder Taxifahrer ist der Aufreißer für ein Hotel und fährt auch dorthin. Ich hatte mich schon breitschlagen lassen für ein Hotel, das wir gar nicht wollten. Aber Katharina blieb standhaft und so bekamen wir am Abend noch ein Hotel, das uns gut gefiel und das auch bezahlbar war. Wir hatten zwar am Anfang trotz Zusage kein heißes Wasser, aber das änderte sich dann am zweiten Tag.
Von unserem Zimmer aus (3. Etage) hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Annapurna Region. Die Stadt ist sauber, es gibt keine hupenden Fahrzeuge, keine Rushhour und keinen Staub. Es hat Spaß gemacht, die Tage hier zu verbringen. Mitten im Pokhara Tal gibt es einen großen See, auf dem Boot fahren möglich ist. Auf einem Berg dahinter, in 300m Höhe, eine beeindruckende Stupa.
Am Donnerstag ging es dann wieder zurück nach Kathmandu. Wir werden hier noch einige Tage verbringen und dann weiter ziehen nach Thailand.
































Bilder: Rhinozeros im Grasland; Sonnenuntergang im Naturschutzgebiet; Es gibt wieder Moskitos; Morgendliche Kanufahrt; Trecking durchs Grasland; Elefantenmutter mit Zwillingen; Elefantentrecking; Elefant trifft Rhinozeros; Stocktanz der Tharu; Verhandlungen; Boote auf dem Pokhara See; Stupa hoch über dem See; Günters neuer Hut; Annapurna Gebirge, hier Fish Tail; Annapurna Gebirge im Sonnenaufgang;

Donnerstag, 25. November 2010

Was wir in Kathmandu schon gesehen haben

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Günter:
Was uns immer über den Weg läuft, bzw. sitzt, sind die Bettler. An jeder Straßenecke sitzen Behinderte oder Alte und betteln jeden, der vorbeigeht, an. Katharina hat sich angewöhnt jeden Tag eine bestimmte Summe an Kleingeld an viele Bettler zu verteilen. Einige Touristen sind zu großzügig mit Geld und geben 1 € bis 5 € in die Hand. Bei uns sind es immer 5 – 20 Cent und wir denken, dass reicht auch.
Von den Kindern werden wir direkt angesprochen, sie zerren an der Kleidung, halten sich fest und werden böse wenn sie kein Geld bekommen. Hier geben wir grundsätzlich nichts. Die Kinder gehören in die Schule und sollen sich nicht daran gewöhnen, auf der Straße mit betteln Geld zu verdienen. Wenn sie erst einmal diese Grundeinstellung haben, werden sie das Betteln zur Grundlage ihrer Einkünfte machen.
Besonders schwer ist es uns am Anfang gefallen, die Mütter mit kleinen Kindern auf dem Arm und einer leeren Babyflasche in der Hand, zu ignorieren. Sie wollen kein Geld für sich, sondern nur Geld „für Baby to buy milk in supermarket“. Wenn sie Geld bekommen, wird aber keine Milch für das Baby gekauft. Das Geld wird bei den Männern abgeliefert, die auf diese Weise nicht arbeiten brauchen und Geld zum Trinken haben. Wenn man den Müttern vorschlägt, mit ihnen in den Supermarkt zu gehen und Milch zu kaufen, sind sie nicht interessiert.
ZUSATZ: Gerade heute Nachmittag, ich wollte noch einige Fotos für den Blog machen, passiert etwas Ungewöhnliches. Die erste Mutter weigert sich wie immer, mit uns in den Supermarkt zu gehen. Die zweite Frau stimmt zu, geht sogar vor und bringt uns zielgenau zu dem Regal, in dem die Milch für ihr Kind steht. Wir haben die Milch gekauft und ihr gegeben. Für uns eine neue Erkenntnis.
Die Regierung tut übrigens nichts für oder gegen Bettler. Sie erhalten keine staatliche Unterstützung und wer sich nicht genug zusammenbettelt hat eben Pech gehabt. Viele dieser Menschen leben und schlafen auf den Straßen. Es gehört zum Stadtbild, dass an fast jeder Ecke eine Frau, ein Mann oder ein Kind liegt und schläft. Dieser Zustand wird von der Polizei einfach ignoriert.
Mittlerweile haben wir uns an diese Bettler gewöhnt. Auf der einen Seite mag das nicht richtig sein, aber wir können nicht die Armut in Nepal finanzieren.
Mit dem Klima und der Gewohnheit ist das hier genauso. Als wir vor einigen Wochen in Nepal ankamen wunderten wir uns über die vielen Menschen, die bei Temperaturen um 25 Grad mit dicken Jacken und Mützen herumliefen, die Touristen hatten T-Shirts und kurze Hosen an. Mittlerweile ist die Abendtemperatur hier auch bei 17 Grad angelangt und wir frieren höllisch. Dicke Socken, die Fließjacke mit langer Hose und Buff gehören ab nachmittags und auch morgens bei 17 Grad zu unserer Grundausstattung. Katharina vertritt zurzeit die Meinung, dass wir im November grundsätzlich frieren, egal wie kalt es ist.
Mit unserem Schulprojekt ist es übrigens nichts geworden. Zuerst haben wir fast zwei Wochen auf unseren Einsatz gewartet, dann waren wir zwei Vormittage in der Schule. Dort sollten wir die Kids „teachen“, wie auch immer das gehen sollte. Im Grunde genommen war aber niemand an unserer Arbeit in der Schule interessiert. Die geplanten Arbeiten, wie Reparaturarbeiten, konnten wir nicht durchführen, es war kein Material da. Geld zum Einkaufen gab es ebenfalls nicht. Daher haben wir beschlossen, das Projekt zu beenden. Katharina wird zum Schulprojekt aber noch einen eigenen Blog schreiben.
Anfang Dezember werden wir ein Paket nach Deutschland schicken, um unsere Kleidung für kalte Tage (Trecking Ausrüstung) und die gekauften Geschenke und Souvenirs loszuwerden. Auch das ist eine abenteuerliche Aktion. Bei den Versandfirmen hier in Kathmandu kostete ein Paket nach Deutschland (ca. 20 kg) bei den ersten Anfragen rund 400,- $. Mittlerweile haben wir ein gutes Angebot für 140,- $ und das scheint auch noch nicht das Ende zu sein. Hier macht jeder, egal wo, seine eigenen Preise – und oft bekommt er das Geld auch.
Wir sind jetzt schon lange genug hier, um schnell zu erkennen wer uns über den Tisch ziehen will. Gerade heute habe ich für eine Ganesha Statue, die sehr schön ist und daher 2500 RP kosten sollte, am Ende 1100 RP (11 €) bezahlt. Der Verkäufer wird allerdings mit seinen Kindern einen Monat nichts zu essen haben, weil ich nur so wenig bezahlt habe. Ich denke er hat selbst an diesem Geschäft noch gut verdient.
Wir haben durch die Beendigung des Schulprojektes nun einige Zeit, die wir füllen müssen. In Kathmandu haben wir fast alle Sehenswürdigkeiten gesehen und bestaunt. Darüber werde ich noch einen gesonderten Blog schreiben damit unsere Leser auch erkennen, dass wir uns selbst vor Kultur nicht fürchten.
Morgen werden wir zu einer Rundreise durch Nepal starten. Wir werden den Nationalpark in der Tiefebene Chitwan besuchen, um vom Rücken von Elefanten aus Nashörner und bengalische Tiger zu beobachten. Wir werden vom Einbaum aus die Krokodile sehen und einen Marsch durch den Dschungel machen. Danach fahren wir nach Pokhara, dem Ausgangspunkt für die Trecking Touren ins Annapurna Gebiet. Die Sicht auf den Himalaja soll hier genau so atemberaubend sein, wie im Everest Gebiet.
Es kann sein, dass wir am 30.11. noch nicht wieder in Kathmandu sein werden und Herbert nicht zum Geburtstag gratulieren können – falls wir kein Internet Cafe finden.
Also Herbert in Münster, feiere deinen 82. Geburtstag schön im Kreise deiner Familie. Wir melden uns am Dienstag wenn wir können, sonst rufen wir Mittwoch oder Donnerstag an.
Bilder zu diesem Blog werden erst in der nächsten Woche eingestellt. Da unsere Blog Designerin Stefanie sehr abgespannt wirkte, haben wir ihr einige Tage Urlaub genehmigt. Sie wird die Bilder einfügen, sobald sie wieder zurück ist. Schöne Tage Stefanie.



Mönche sammeln und segnen Spenden

Sammlung für die Armen

Der Stolz der Bettler


Die Scham der Bettler

Mutter bettelt um Milch für ihr Kind, Flasche schnell versteckt



Bettelnde Kinder


Mutter bettelt um Milch für ihr Baby


Mutter geht mit in den Supermarkt um Milch zu kaufen



BehinderZentriertter Bettler mit Rollstuhl

Montag, 22. November 2010

Neues aus Kathmandu

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Günter:
Im vorletzten Block hatte ich ein Bild von einem Wasserwagen vorgestellt, ohne dazu näher etwas zu sagen. Es gibt in dieser Millionenstadt Kathmandu nur an wenigen Stellen fließendes Wasser. Hier haben die Menschen eigene Brunnen oder werden von den Bergen her über eine dicke Rohrleitung zentral versorgt. In den meisten Gebäuden gibt es Wassertanks auf den Dächern, die eben von diesen Wasserwagen regelmäßig befüllt werden. Durch den Wasserdruck von oben wird das Wasser dann durch die Leitungen gedrückt, wenn viele Zapfstellen Wasser benötigen ist der Druck entsprechend gering und es tröpfelt nur so aus den Hähnen. Pumpen für den Druck gibt es kaum.
Das zweite Problem heißt Strom. Wir haben sehr oft Probleme mit dem Zugang zum Internet, weil hier der Strom nach Belieben morgens und abends abgeschaltet wird. Das dient zum Zweck des Energiesparens bei der Stromerzeugung (Öl, Gas, Kohle). Niemand weiß, wann und für wie lange der Strom abgestellt wird, obwohl eine Abschalteliste mit den Zeiten vorliegt. Aber was ist hier in Nepal schon klar – kann sein oder kann nicht sein! Die Abschaltung kann zwischen einer und vier Stunden liegen. Einige Geschäfte und Hotels haben Notstromdiesel, um wenigstens die Versorgung mit Licht zu gewährleisten. Auch in unserem Kloster gibt es für das Notlicht einen solchen Notstromdiesel. Allerdings gibt dieser nur Strom für Licht, die Steckdosen sind nicht versorgt. Telefone oder die WLan-Router gelten hier als nicht wichtig und bleiben ebenfalls abgeschaltet. So kann es sein, dass wir beim skypen abgeschaltet werden und Internet und mailen nicht möglich ist, obwohl wir für feste Zeiten Kommunikation mit Deutschland zugesagt hatten – Sorry! Die Menschen hier gehen übrigens gelassen damit um, jeder kennt die Abschaltungen und viele gehen abends ohne Taschenlampe gar nicht mehr raus. Wir haben uns am ersten Abend der Stromabschaltung im Dunklen ganz fürchterlich verlaufen und sind nach langem Suchen mit viel Glück in unserem Kloster angekommen.
Unser Karma Guide hat uns in den ersten Tagen in Kathmandu eine der vielen Webereien gezeigt, in denen die berühmten nepalischen Teppiche gewebt werden. Wir wollten keine der Fabriken sehen, sondern einen der vielen privaten Handwerksbetriebe, die eine Weberei als Lebensgrundlage betreiben. Für uns war diese Besichtigung erschreckend und erschütternd. Hinter einem Eisentor kamen wir auf einen dreckigen Hof, auf dem etwa 25 Frauen und Kinder bei der Mittagspause saßen. Zu essen gab es dort nichts. In einem kleinen Anbau standen 3 Webstühle, auf denen Teppiche gewebt oder geknüpft wurden. Karma erzählte uns, dass diese Menschen in dem kleinen, baufälligen Haus neben der Weberei leben. Dort waren bis zu 50 Menschen in kleinen, kalten und dreckigen Räumen untergebracht. Für uns leben diese Menschen unter unwürdigen Bedingungen. Einen Schlafplatz, der von 2 Erwachsenen und 6 Kindern bewohnt wird, habe ich als Foto beigestellt. Die Frauen und Kinder machen in der Weberei die Arbeit, während die Männer Feste feiern und trinken. Wir waren froh, als wir diesen fürchterlichen Betrieb verlassen konnten. Leider ist diese Art zu leben in dieser Stadt kein Einzelfall, tausende Menschen leben hier unter solchen Bedingungen.
Was man in Kathmandu immer kann, ist einkaufen. Dadurch, dass die Bevölkerung mit Hindus und Buddhisten gut durchmischt ist, hat immer nur ein Teil der Bevölkerung ein Festival (Feiertag), der andere Teil arbeitet normal. Damit sind an 7 Tagen in der Woche immer Geschäfte geöffnet. Die Straßenstände sind ebenfalls geöffnet. Wir sehen nur an den geschlossenen Schulen, dass ein Feiertag ist. Die Schulen schließen bei hinduistischen wie auch bei buddhistischen Festivals.
Mit den Taxifahrern kommen wir mittlerweile gut klar. Wir wissen, wie teuer eine Fahrt etwa sein kann und das Verhandeln fällt uns nicht mehr schwer. Wenn eine Fahrt 200 Rp Wert ist, verlangt der Fahrer immer zuerst 600 – 700 Rp. Er bekommt dann einen Festpreis von 200 Rp angeboten. Wenn er annimmt ok, wenn nicht, suchen wir uns ein anderes Taxi. Davon gibt es Hunderte, die überall herum stehen und auf Kunden warten. Zu 90% sind es kleine Suzuki Autos, aus Indien für wenig Geld eingekauft, total zerbeult, ohne Innenverkleidung und mit schlechten Sitzen. Dafür aber dreckig, was uns kaum noch etwas ausmacht.
Was für uns wirklich nervig ist, dass alle hier denken alle Ausländer sind reich und müssen abgezockt werden. Wenn ein Nepali Bananen kauft, bezahlt er für 5 Stück 20 RP, wir sollen dafür 80 Rp bezahlen. Das sind 80 Cent und die Bananen sind immer noch billiger als zu Hause. Dennoch ist diese Abzocke beim Einkaufen, wie auch bei den Taxifahrern ein Ärgernis für uns. Die Nepali freuen sich riesig, wenn sie uns das Geld aus der Tasche ziehen können. Durch Gespräche mit bekannten Nepali und viel Beobachtung an den Straßenständen, bekommen wir langsam ein Preisgefühl. So können wir auch ein Kilo Mandarinen für 50 Cent kaufen, wir haben aber am Anfang weit mehr dafür bezahlt. Die Menschen glauben wirklich, durch die Abzocke der Touristen zum gleichen Wohlstand wie diese zu kommen. Woher die Nepali diese Meinung haben, ist uns total unklar. Wenn wir uns demnächst mit den Preisen auskennen, geht es dann weiter nach Thailand und dort geht alles wieder von vorn los.
Warum laufen wir, seit wir in Kathmandu sind, mit Mundschutz herum? Die Stadt besteht nur wenig aus geteerten Straßen. Die meisten Straßen und Wege bestehen aus Lehm und Sand. Da es schon seit Monaten nicht mehr geregnet hat, ist hier alles STAUB trocken. Und das ist das magische Wort. Am frühen morgen ist die Luft noch klar, aber im Laufe des Vormittags wird immer mehr Staub aufgewirbelt. Dazu kommt noch, dass hier den ganzen Tag über Hauptverkehrszeit ist. Es sind Hunderttausende von Autos unterwegs, die sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h durch die Stadt quälen. Es gibt lange Wartezeiten in diesen Staus und der Staub und die Abgase kommen in die Autos. Wenn es dann noch heiß ist, wird das Autofahren unerträglich. Doch ohne Taxi sind die weiten Strecken hier nicht überwindbar, auch wenn wir für 5 km oft 1,5 Stunden benötigen. Das Atmen fällt immer schwerer, Hustenreize sind normal. Hier hilft wirklich nur noch ein Mundschutz, auch der nur eingeschränkt. Der Staub zieht durch die Kleidung, wir sind genau so dreckig wie die Nepali. Da hilft auch regelmäßiges Duschen nicht. Sobald wir unser Kloster verlassen, sind wir diesem Staub und den Abgasen ausgesetzt. Da hilft nur noch Regen. Aber dann wird aus dem Staub Matsch. Wenigstens wäre dann das Atmen einfacher.

Teppichknüpferei im Hinterhof

die größeren Kinder der Knüpferei


Wohnraum für 8 Personen in der Knüpferei

Zentrales Wasserwerk Kathmandu

Deckenhersteller am Straßenrand


Schutz gegen Staub und Abgase
Tuk Tuk im Personenverkehr

Und wieder ein Festival

Gemüsemarkt

Kühe gehören zum Stadtbild

Lebensraum in der Altstadt

Ritual: Verbrennung des heiligen Fadens mit Zuckerrohrstäben


Öffentliche Körperwaschgelegenheit

Der siebenjährige oberste Hohepriester des buddhistischen Goldenen Tempels