Unsere Reise nach Süd-Ost-Asien
Unsere Erlebnisse, Eindrücke und Empfindungen auf einem für uns noch geheimnisvollen Kontinent

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Mittwoch, 17. November 2010

Das Kloster Shechen

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Günter und Katharina:
Wir haben in den letzten Blogs mehrfach über das Kloster Shechen gesprochen, in dem wir während unserer Zeit in Kathmandu wohnen. Um nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, wir würden in einer dunklen Burg mit hohen und dicken Mauern leben, möchten wir das Kloster einmal vorstellen.
Das ursprüngliche Kloster Shechen wurde 1950 während der chinesischen Besetzung Tibets zerstört. Dennoch wurde sein Wesen von Dilgo Khyentse Rinpoche erhalten, der nach Nepal ins Exil geschickt wurde und in Kathmandu ein neues Kloster plante und errichtete. Dilgo Khyentse Rinpoche war einer der letzten großen Meister, der seine gesamte Ausbildung noch in Tibet abgeschlossen hat. Er war der Lehrer der größten Lamas der heutigen Zeit und starb 1991 im Alter von 81 Jahren.
Während also das Gebäude selbst ganz neu und lebendig ist, sind die Philosophien, Kultur und Praktiken, die wir finden in seinen Mauern so alt wie die Zeit selbst. Das neue Shechen Kloster liegt in der Nähe des Bodhnath Stupa. Das Shechen Kloster ist eines der sechs wichtigsten Klöster Tibets, obwohl es jetzt ist Nepal zu finden ist.
Dilgo Khyentse Rinpoche hat seine Geisteshaltung in den Wiederaufbau des Klosters eingebracht und er wusste, dass es kein gewöhnliches Gebäude tun würde. Das Gebäude musste nicht nur die perfekte Atmosphäre für die traditionellen Philosophien und die Kunst des Klosters besitzen, es musste ein besonders gutes Beispiel für tibetische Kunst werden, da viele Menschen diese Kunst nicht in Tibet erleben können.
Also entschied er sich im Jahr 1980 für eine Baustelle im Kathmandu-Tal, und er begann die Suche nach Handwerkern, die den Job machen konnten. Er suchte Steinmetze, Bildhauer, Goldschmiede, Schneider und Maler, die alle zusammen arbeiteten, um die Art von tibetischem Meisterwerk, dass das Shechen Kloster geworden ist, zu schaffen. Die Arbeiten wurden unter seiner eigenen Kontrolle und Liebe zum Detail durchgeführt. Khyentse Rinpoche war nicht daran gelegen, dass die Arbeit schnell getan wurde, es ging ihm darum, dass sie gut getan wurde. Die Bauzeit des Klosters dauerte daher auch viele Jahre. Mit Gold vergoldet und mit ungeheuer schönen Kunstwerken, Statuen und mit spiritueller Bedeutung ist das Kloster heute ein ganz besonderer Ort.
Heute ist das Kloster Shechen die Heimat von mehr als 300 Mönchen, die aus unterschiedlichen Himalaya-Regionen und darüber hinaus gekommen sind, um zu studieren und hier zu leben. Das Kloster lehrt Musik, Tanz, Malerei und buddhistische Philosophie. Die integrierte Grundschule dient auch dazu, eine moderne Erziehung für Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren zu bieten. Danach kann ein Student entscheiden, ob er einen zweijährigen Kurs belegen will, der ihn qualifiziert, am Shechen Institut zu studieren. Viele von denen, die jetzt als Lehrer tätig sind, waren einst Schüler, die hier selbst gelernt haben. Viele Lehrer aus der gesamten Region sind oft hier, um ihre Erleuchtung mit den Schülern teilen zu dürfen. Die Mönche im Kloster versuchen zu dienen und sich um die die spirituellen Bedürfnisse der Gemeinde zu kümmern.
Für die Gäste aus dem In- und Ausland, gibt es im Kloster ein Gästehaus mit rund 25 Zimmern, die vermietet werden. Uns ist es gelungen, eines dieser Zimmer bis zum 08.12. anzumieten, sodass wir hier am spirituellen Geschehen des Klosters teilnehmen dürfen.
Das Kloster verfügt übrigens über eine sehr gut Küche und eine Bäckerei, die einen sehr guten Kuchen backen kann. Und das alles zu einem guten Preis.








Montag, 15. November 2010

Wieder in Kathmandu - der Alltag

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Günter:
Heute möchte ich berichten, was so alles im Alltag passiert.
Als erstes ist es nötig, in diesem Blog danke schön an Stefanie zu sagen. Sie ist von Dresden aus die gute Seele unseres Blogs. Sie veröffentlicht die Bilder und kümmert sich sehr liebevoll um ein immer aktuelles Kopfbild. Oft schaffen wir es nicht, die Bilder hoch zu laden. Steffi ist immer zur Stelle und sorgt für einen aktuellen Blog. Vielen Dank.
Nach über 3 Monaten in der „Wildnis“ waren meine Haare lang und wild und das Haare schneiden stand an. Also haben wir uns, trotz meiner Skepsis den nepalischen Frisören gegenüber, in einen „Hair Saloon“ begeben. Es war ein Erlebnis. Abgesehen davon, dass der Frisör sofort wusste, was ich wollte und meine Haare kurz und gut geschnitten hat, war damit das Erlebnis noch nicht zu Ende. Es gehört hier auch rasieren dazu und Haare waschen. Was für mich neu war, war die Kopfmassage die zum Schluss folgte. Super entspannend und erholsam. Das würde ich mir für meine Frisörtermine in Deutschland wünschen. Neu gestylt kam ich nach ca. 30 Minuten aus dem Geschäft heraus – und das Ganze für 200 RP, rund 2,- €. Das werde ich mir hier noch einmal gönnen.
Kathmandu ist eine Stadt voller Hunde, um die sich niemand kümmert. Sie werden zu hunderten wild geboren, vermehren sich also unkontrolliert und wild. Während mir die Haare geschnitten wurden, wurde so ein Hund auf der Straße angefahren und schwer verletzt. Er wird dann an die Seite gelegt, bewegen konnte er sich nicht mehr, und die Sache ist vergessen. Es interessiert niemanden, ob der Hund weiter lebt oder nicht. In Kathmandu gilt das Gesetz der Straße – und nicht nur für Hunde.
Eines der größten Probleme in der Stadt ist der Müll. Wir empfanden es am Anfang schlimm, dass auf den Straßen so viel Müll liegt. In Abständen von vielleicht 100m kippt hier jeder seinen Dreck auf einen großen Haufen am Straßenrand. Es stinkt und ist sicherlich eine Brutstätte für Krankheiten, besonders wenn es heiß ist. Dennoch hat dieser Umgang mit dem Müll System. Als erstes kommen die freilaufenden Kühe und Hunde und durchwühlen diesen, fressen alles was genießbar ist. Danach kommen die Armen und Bettler und suchen sich alles raus, was sie noch brauchen können. Danach kommen die privaten Recycler, zu Fuß, auf Fahrrädern und teilweise mit dem Tuc Tuc, das dreirädrige, Gasgetriebene Auto mit dem einen Rad vorn. Vielen sicherlich noch ein Begriff aus alten Tagen in Deutschland. Nachdem diese vielen Gruppen den Müll durchsucht haben, ist nur noch ein kleiner Haufen übrig, der dann von einer Müllfirma weggeräumt wird – und alles geht wieder von vorn los. Oft fällen wir Urteile über Menschen in diesem Teil der Welt, wir vergleichen mit dem, was wir aus Deutschland kennen. Wir müssen aber einfach lernen zu akzeptieren, dass Prozesse hier anders ablaufen als bei uns.
Am Sonntag wollten wir die Müllberge am Straßenrand fotografieren, es waren keine da. Die Müllautos hatten wohl gerade alles abgeholt.
Wir versuchen uns viel in der Stadt zu bewegen um Menschen zusehen, wie sie leben und arbeiten. Wie funktioniert die soziale Struktur in einer solchen armen Millionenstadt, was ist ähnlich wie bei uns, was ist anders?
Interessant war dabei die Erkenntnis, dass es hier sehr viele Non Profit Läden und Restaurants gibt. Diese Läden machen keine Gewinne, sondern führen diese Gewinne ab an Schulen, Kinderheime und Krankenhäuser um dort zu helfen, wenn Geld fehlt. Es sind also nicht mehr nur internationale Organisationen, die Geld und andere Formen von Hilfen in das Land pumpen. Mittlerweile lernen die Menschen, sich selber zu helfen, auch wenn das Geld für diese Gewinne hauptsächlich von den Touristen kommt. Aus den Speisekarten oder auf Plakaten die aushängen, werden diese Projekte beschrieben, sodass jederzeit nachvollziehbar ist, wo das Geld bleibt.

Katharina:
Kurz vor unserer Ankunft in Namche Bazar, trafen wir auf einen alten Lama. Er saß am Weg, etwas entfernt von ihm seine zweite Frau, strickend. Lama, weil er als Kind und Jugendlicher im Kloster war. Mit seiner ersten Frau hat er mehrere Kinder, die jetzt groß sind. Um ihn herum waren mehrere große Plakate in vielen Sprachen aufgebaut, auf denen er um eine Spende für die Wege und Brücken durch das Gebirge bat. Er beschrieb, dass die Regierung nicht interessiert sei an den Renovierungen, die zweifelsohne dringend notwendig sind. Auf die Nachfrage bei Karma, unserem Guide, ob es sich hier um eine Realität handelt erzählte er, dass der Lama seit mehr als 15 Jahren auf diese Art Spenden auftreibt. Er sorgt dann auch für die Realisierung der Renovierungen. Auf diese Weise wird vielen Menschen geholfen. Den Spendern durch den Segen vom Lama, den Touristen durch neue Wege, den Straßenbauern und deren Familien durch bezahlte Arbeit und dem gesamten Land durch die Erhöhung des Bruttosozialproduktes durch mehr Arbeit.
So schwierig es manchmal ist als Frau einen Mann zu verstehen (ja, ja, ich weiß, auch umgekehrt), noch viel schwieriger erscheint es mir manchmal, das Verhalten von Menschen aus einer fremden Kultur nachzuvollziehen. Wenn ich etwas gerne hätte oder etwas wissen möchte, dann kann ich den anderen danach fragen. Als gut erzogener Europäer frage ich natürlich so, dass der andere jederzeit die Möglichkeit hat zu verneinen, zu bedauern oder sich sonst, je nach Gusto, raus zu ziehen, Punkt. Nicht so in Nepal. Hier bekommst du nie, nie ein „nein“. Es kann natürlich sein, dass das, wonach du gefragt hast, nicht möglich ist. Aber dann sitzt du halt da und wartest – umsonst. Aber man wird dir nicht sagen, dass du etwas nicht bekommst. Das geht so weit, dass unser Porter, der außer einigen wenigen Worten Englisch nichts von dem was wir sagten verstand. Aber egal – jede Frage wurde bejaht, und wir brauchten einige Zeit bis wir begriffen, dass Furwa keine Ahnung hatte, wovon wir sprachen. Er sagte „ja“ und strahlte uns mit seinem schönsten Lachen an.
Stupa in Bodenath, nahe unserem Kloster


Blick ins Kathmandu Vally

Kathmandu Valley von Gokarna

Die 3 riesigen Buddahs (25 m hoch) von Swayambhu


Fahrt im Tuc Tuc mit 16 Personen

Altstadt Asan
Wasserstation in Kathmandu, es gibt hier keine Wasserleitungen

Mein Friseur

doch einen Müllaufen, wenn auch einen kleinen, gefunden
Müllabfuhr
Hinein mit allem Dreck in den Bagmati River (Stadtfluss)

Mittwoch, 10. November 2010

Mount Everest Tour Teil 2



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Günter:
Seit gestern sind wir wieder zurück in Kathmandu. Wir sind einerseits froh, dass diese anstrengenden 18 Tage vorbei sind. Wir beide sind gesund, von meiner 14-tägigen Erkältung einmal abgesehen, ich nehme jetzt Antibiotika, und ohne Blessuren wieder hier angekommen. Andererseits schauen wir auch etwas wehmütig auf spannende und aufregende Tage zurück, die uns bis an unsere Leistungsgrenzen gefordert haben. Wir werden eine solche Herausforderung an die körperlichen und psychischen Grenzen sobald wohl nicht mehr erleben.
Zum Ende der Tour hatten wir auch nach ausreichender Ruhezeit kaum noch die Kraft wieder in die nächste Etappe zu starten. Dennoch sind wir immer wieder los gelaufen, um dem Ziel, dem Flughafen in Lukla, näher zu kommen. Mit vielen Treckern haben wir auf dem Weg über das Für und Wieder dieser Tour gesprochen. Wir halten sie nicht nur wegen der Höhenunterschiede für schwer und teilweise auch gefährlich. Das Problem sind die schlechten Wege, rutschigen Steine und das lose Geröll auf dem Weg. Wenn es nach unten geht, sind die Abstiege oft so steil und die Stufen so schmal, dass das runter gehen sehr viel Überwindung kostet. Es ist schon eine Glanzleistung, diese Tour ohne Verletzungen von Gelenken, Bändern oder Muskeln durchzustehen. Wir denken, wir haben das super gemeistert. Die Rettungshubschrauber waren für uns schon vom ersten Tag an ein gewohntes Bild in der Everest Region. Sie fliegen pausenlos von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, um Verletzte aus den Bergen abzuholen und nach Lukla zu transportieren. Wir sind auf unseren eigenen Füßen in Lukla angekommen. Spannend war dann noch am 19.Tag der Rückflug nach Kathmandu. In Lukla die Landebahn zu sehen und sich zu fragen, wie hier Flugzeuge landen und starten können, ist eins. Wenn die Maschine ankommt, werden für genau 5 Minuten die Propeller abgestellt. In dieser Zeit müssen 20 Passagiere raus und 20 Passagiere rein in das Flugzeug. Das Ent- und Beladen läuft bei laufenden Propellern. 15 Minuten nach der Landung geht es wieder ab. Die Länge der Startbahn reicht gerade zum Abheben. 55 Minuten später war das Spektakel vorbei und wir konnten in Kathmandu aussteigen. Ich möchte die Erfahrung dieser Trecking Tour durch den Himalaja nicht missen, einmal auf dem „Dach der Welt“ sein, einmal dem Everest, Lotse und Ama Dablan zum Greifen nahe zu sein, ist ein Erlebnis, das unbeschreiblich ist.
Nun genug von meiner Seite. Als bittere Pille noch die Information, dass gestern am Ama Dablan ein Hubschrauber bei einem Rettungseinsatz von 2 japanischen Treckern abgestürzt ist. Dabei kamen beide Piloten ums Leben.
Katharina:
Nun sitzen wir also tatsächlich im Guesthouse Shechen, ein Kloster mit Gästehaus in Boudha, ein Stadtteil von Kathmandu, genannt „klein Tibet“. Nach unserem Tag heute, den wir zum Teil mit unserem lieben Guide und Freund Karma verbracht haben, haben wir das Gefühl unsere Eindrücke vom Himalaja schnell festhalten zu müssen, da es schon wieder soviel Neues gibt.
Wie Günter schon beschrieben hat, bin auch ich sehr froh, diese Tour gemacht zu haben und frage mich auch heute noch, wie all die vielen Menschen, denen wir begegnet sind, diese Tour überstehen. Es ist nicht so, dass wir es hier hauptsächlich mit jungen, kräftigen Burschen zu tun hätten. Es gab einige reine Frauengruppen in meinem Alter, also zwischen 50 und 60 Jahren. Es gab soviel japanische Rentner, also ab ca. 65 Jahre, dass ich einmal zu Günter sagte: “ Ich glaube, es ist kein japanischer Rentner mehr in Japan.“ Es bleibt mir ein Rätsel, - eines mehr auf dieser Reise.
Mit Irmi aus Garmisch, die die Berge kennt, gab es viele Gespräche dazu. Wir waren uns einig, dass einmal gute Trittsicherheit, absolute Schwindelfreiheit, gute Höhenanpassung und Kondition Voraussetzungen sind, um diese Tour gut zu Ende zu bringen.
Gut, meine Kondition ist bestimmt etwas, dass ich noch schulen kann. Die Höhenanpassung haben wir durch sehr langsames Steigen ganz gut hinbekommen, trotzdem tue ich mich zwischen 3200m und 3500m sehr schwer. Trittsicherheit hat bei mir viel mit Konzentration zu tun, also hängt davon ab, wie lange ich an dem Tag schon unterwegs bin. Ja und die Schwindelfreiheit, ja die habe ich seit meinem wingwave Seminar. Keine durchsichtige Hängbrücke über bis zu 60m Höhe und 80m Länge und kein noch so steiler Abhang haben mich geschwindelt. Das ist doch ein spürbarer Erfolg ( Gruß an Antje und Alain ).




Waschplatz Tengboche


Mount Everest und Lotse



Ama Dablam



Im Abstieg



Yak Karavane


Yak bei der Arbeit


Blick auf Mount Everest


Männliche Mitglieder unserer Expeditionsgruppe



Porterpause


...und weiter geht es runter



Hängebrücke


Sherpa Bäuerin bei der Ernte







Japaner beim Sonnenuntergang



Kontakt beim Black Tea (Räuchergefäß im Hintergrund)



Milchfluss



Babybad outdoor


Landebahn Lukla



Kinder in Lukla


letzter Blick auf das Dach der Welt




Start in Lukla

Donnerstag, 4. November 2010

Mount Everest Tour Teil 1

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Was ist passiert, seit wir an der Kreuzung in Cheplung angekommen sind? Hier kommt der Weg von Lukla mit dem Weg aus Phaplu zusammen, den wir gegangen sind. Die meisten Trecker, die in Nepal auf Tour gehen, haben sehr wenig Zeit. Wer von Kathmandu kommend in Lukla ankommt, geht sofort auf die Mount Everest Tour, am Besten hoch bis zum Basiscamp auf 5400 m Höhe. Und so hat sich auch für uns ein anderes, neues Bild ergeben. Die Dörfer sind stark auf Tourismus ausgelegt, es ist hier ein reger Durchgangsverkehr zu erkennen. Am Nachmittag ankommen, am nächsten Morgen schnell weiter, damit der Zeitplan eingehalten werden kann. Leider geht diese Form von Trecking häufig zu Lasten der Gesundheit, übrigens auch bei jungen Menschen, die ihre Kondition und die Anpassung an die Höhe oft unterschätzen. Von Kathmandu nach Namche Basar ist ein Höhenunterschied von über 2000 m zu bewältigen, für jeden Körper eine schwierige Anpassung. Daher sind hier am Tag auch sehr viele Rettungshubschrauber unterwegs.
Diese Form von Trecking ist nicht unsere, also werden wir versuchen die Hauptrouten zu umgehen und unseren eigenen Trott zu gehen.
Aber nun genug davon. Für uns ist es sehr schwierig, die Auf- und Abstiege zu bewältigen. Wir haben unser Tagespensum aber an unsere Möglichkeiten angepasst und damit geht es gut.
Morgens werden wir häufig vom „Tik-Tik-Tik“ geweckt. Dabei handelt es sich um die Arbeit der Steinhauer, die hier den Rohstein behauen. Der rohe Stein wird nicht mehr wie früher aufgeschichtet und mit Lehm verschmiert. Er wird so lange behauen, bis er eine Steinform hat und dann an der Schnur (horizontal) aufgeschichtet. Auch dies ist, wie vieles hier, eine mühselige Arbeit. Der Steinhauer schafft pro Tag oft nur 2-3 Steine, die dann aber präzise an ihre Stelle passen. Und nur hier ist der Stein einzusetzen, woanders passt er nicht. Auf diese Weise sind die Häuser nicht nur stabil, sondern auch winddicht gebaut.
Und nun möchte ich etwas zu den Portern, den Lastenträgern sagen, die uns überall auf dem Weg begegnen. Diese Berufsgruppe fängt bereits mit 10 Jahren an, diesen Beruf auszuüben. Zuerst werden kleine Lasten getragen, die nie schwerer als das eigene Körpergewicht sein dürfen. Das Gewicht wird immer mit dem Kopf getragen, dies lernen diese Menschen von Anfang an. Dennoch mussten wir uns von der Vorstellung trennen, diese Arbeit ist eine Gewohnheit und fällt daher leicht. Es ist eine harte Knochenarbeit, die physisch alles von diesen Menschen fordert. Die Unfallzahl ist sehr hoch, da bei einer Arbeit von Morgens bis Abends Unfälle vorprogrammiert sind. Die Porter sind früh alt, arbeiten aber bis ins hohe Alter. Bei schweren Gewichten von größer als 60 kg laufen sie in einer Steigung ca. 30 m und müssen dann eine Pause machen. Für die Strecke von Lukla nach Namche, die wir in 3 Tagen bewältigen, benötigen die Lastenträger bis zu 18 Tage. Warum gibt es überhaupt Porter? Die Maultiere und Ochsen, höher die Yaks, begegnen uns dauernd und tragen das 3 – 4 fache der Last. Die Porter tragen zerbrechliche Dinge wie Glas, Flaschen, Geschirr. Den Rest übernehmen die Tiere.
Das Leben des Porters ist schwer, die Lebenserwartung nicht besonders hoch, wer 60 Jahre wird ist schon alt. Die Bezahlung ist schlecht und gearbeitet werden muss in jeder Höhe, bei jedem Wetter. Diese Extrembelastungen sieht man den ältern Portern auch deutlich im Gesicht an. Ohne sie geht es aber nicht. In einem Land ohne Eisenbahn und Strassen bilden sie die wirtschaftlichen Lebensadern im Gebirge Nepals.
Katharina:
Ja, das Leben der Porter ist schwer, jedenfalls scheint es uns so. Immer wieder stehen wir staunend da und schauen dem Einen oder Anderen hinterher. Wenn wir jedoch mit unserem Guide Karma darüber sprechen, zuckt er mit den Schultern und sagt „it´s normal“. Dann zeigt er uns immer wieder die gute Laune der jungen Leute, die mit einem kleinen Radio an ihrem riesigen Gepäck durch die Berge laufen und die nepalischen Charts laut mitsingen und sich immer wieder darüber kaputtlachen. Auch an den Raststellen, wo sich die Jungs und auch manchmal Mädchenporter treffen, ist immer gute Stimmung. Karma sagt dann: “look, they are happy“. Wir können es nicht erfassen.
Wenn wir plötzlich mitten im Weg einen Steinhaufen sehen, wissen wir schon, jetzt müssen wir links vorbeigehen, denn dies sind Schrifttafeln mit „Lamatexten“ darauf. Manchmal sind es riesige Steine die kunstvoll bearbeitet sind, manchmal sind es aber auch ein Haufen Tafeln die behauen sind. Es kann aber auch sein, dass ein Stupa (religiöser Bau) mitten auf dem Weg steht und oft gibt es dann auch Gebetsmühlen, die wir alle betätigen. Mit dem Drehen der Mühlen gehen die Gebetstexte, die in den Mühlen sind, über den Wind in die Welt. Meist handelt es sich um Gebete, in denen um Frieden in der Welt gebetet wird. Die Ausgestaltung dieser Mühlen ist in Farbe und Größe sehr unterschiedlich. Von handgroß und einfarbig, bis 3 Meter groß und ganz bunt. Neben diesen Zeichen der alltäglichen Religiosität der Nepali (da wir uns im Land der Sherpa bewegen geht es hier um den Buddhismus) können wir diese gelebte Religiosität auch jeden Morgen riechen. Bevor irgendetwas im Haus, in der Lodge passiert, wird hier jeden Morgen das ganze Haus, die Flure der Lodge ausgeräuchert mit einem Kessel der genauso aussieht, wie die Weihrauchkessel bei uns in der kath. Kirche. Ich mag diesen Geruch sehr gerne, weiß aber nicht wie die Blätter heißen die verbrandt werden.




Gebetsstein




immerwährende Begleiter auf dem Weg

Der Fluss im Tal

ein Stupa




rauf und runter


Steinehauer bei der Arbeit


Namche Basar

Es wird kalt


Porter bei der Arbeit



in der Lodge



Karma und Katharina im Gespräch






Blick auf den Namsche Basar





Erster November - der erste Schnee

Vor einer Lodge


Gebetsmühlen